„Beschaulich und gemütlich, aber nie langweilig

Der Kiosk Rohmeyer ist ein Anlaufpunkt (nicht nur) für Südstädter

Ein spätsommerlicher Abend in der Südstadt: Vor dem Kiosk Rohmeyer an der Jordanstraße 18A herrscht ein reges Kommen und Gehen. Zwei Mädchen bestellen große Eistüten, eine junge Frau möchte eiligst ein Einschreiben aufgeben und ein Stammkunde schaut mit seinem Golden Retriever vorbei und kauft ein kühles Getränk. Obwohl viel zu tun ist, bleiben Angelika Rohmeyer, die Inhaberin, und ihr Sohn Oliver Ohnesorge entspannt. Die beiden vermitteln einen gemütlichen Eindruck und schnacken freundlich mit ihren Kunden. Der schattige Platz vor dem Verkaufshäuschen wirkt zu dieser Stunde idyllisch und ist für viele ein willkommener Ort zum kurzen Verweilen.

Der Kiosk Rohmeyer ist ein Familienbetrieb und wird seit 2005 gemeinsam von Angelika und Uwe Rohmeyer sowie Oliver Ohnesorge geführt. Drei Aushilfen unterstützen die Familie regelmäßig, denn die Trinkhalle hat täglich bis 22 Uhr geöffnet, wochentags ab 6 Uhr morgens. „Die große Auswahl an Süßigkeiten ist eines unserer Steckenpferde“, sagt Oliver Ohnesorge. Kunden, darunter alte Stammkunden, würden sogar aus Wettbergen oder Bothfeld kommen, um bunte Tüten an der Bude zu kaufen. „Einer hat mal 150 davon für eine Hochzeit bestellt“, sagt Angelika Rohmeyer und lacht. Mutter und Sohn sind sich einig: Die Mischung macht’s, ihr Geschäft sei ein Anlaufpunkt in der Südstadt, weil das Angebot mit Zeitungen, Getränken, Naschwaren, Paketdienst und Lotto-Annahmestelle groß sei. „Das ist ein klassischer Kiosk, wie man ihn von früher her kennt“, so Ohnesorge.

In der Südstadt fühlt die Familie sich sehr wohl. Der Stadtteil sei beschaulich und die Menschen nett, meint Angelika Rohmeyer. „Das ist ein ruhiges Pflaster hier“, findet Oliver Ohnesorge und ergänzt: „Das große Pro sind die Leute, die man hier kennenlernt. Denn darum geht es doch im Leben: um den Kontakt und darum, Freundschaften zu schließen.“ Die Südstädter seien liebenswürdig norddeutsch, so der 40-Jährige. „Es dauert ein wenig, bis man von ihnen akzeptiert wird, aber dann sind sie treu und aufgeschlossen.“ Ohnesorge freut sich über die gute Resonanz und viele positive Bewertungen im Internet.

90 Prozent der Käufer seien Stammkunden, so Angelika Rohmeyer, darunter Senioren, die schon immer in der Südstadt gelebt haben, Leute, die gern ein Feierabendbier trinken, und junges Publikum. Besonders beliebt ist ein Angebot, zu dem Oliver Ohnesorge seit fast zwei Jahren einlädt: Regelmäßig am Freitagabend findet jeweils ab 18 Uhr ein offener Spieleabend für Pokémon-Fans statt – im Sommer meist vor dem Kiosk und im Winter im Laden. Bei dem Treffen seien ständig bis zu acht Kinder und Jugendliche dabei, einige kämen sogar aus Vahrenwald.„Ein Stammspieler ist 55 Jahre alt“, sagt der 40-Jährige, der selbst ein großer Pokémon-Freund ist, seit sein Ziehsohn ihn von dem Sammelkartenspiel überzeugt hat.

Doch selbst ohne die Pokémon-Spiele, zu denen sich auch einige Eltern dazugesellen, gehe es im Kiosk stets betriebsam zu. Seit etwa drei Jahren bietet die Familie auch einen DHL-Paketservice an – laut Ohnesorge ein boomendes Geschäft. Im Sommer würden täglich zwischen 50 und 80 Pakete angeliefert werden. Im Dezember seien es zuletzt rund 3600 Sendungen gewesen, Tendenz steigend. Zum Entspannen hört der Kioskbetreiber in seiner Freiheit mit Vorliebe Musik von Metalbands und fährt zu Open Airs wie dem Wacken-Festival. Ein Fenster zur Welt hat er aber längst gefunden: Mitten in der beschaulichen Südstadt ist eigentlich immer was los.