„Ich bin ein Südstädter Kind“

Interview mit Thomas Hermann, Bürgermeister und Vorsitzender des Rats der Landeshauptstadt

Herr Hermann, was bedeutet für Sie die Südstadt?
Das ist meine Heimat. Hier bin ich 1958 geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Heute wohne ich mit bestem Blick auf den Oesterleyplatz. Der Stephansplatz diente in der Kindheit als Spiel- und Sandkastenquartier, später mit Wienerwald und Nebenbude als „Nahversorgungsstation“. Im Esplanade-Kino in der Geibelstraße genoss ich als Sechsjähriger meine ersten Kinofilme. Auf der Hoppenstedtwiese haben wir häufig mit Freunden nach der Schule Fußball gespielt, und in strengen Wintern lud der Maschsee zum Schlittschuhlaufen ein. Sport habe ich beim VfL und später beim SV Eintracht betrieben. Ich bin ein Südstädter Kind und von ganzem Herzen Südstädter geblieben.

Was schätzen Sie an der Südstadt besonders?
Die Menschen, die hier leben, die zentrale Lage zur Innenstadt und gleichzeitig die Nähe zum Maschsee und zur Eilenriede sowie die sehr gute Infrastruktur. Ich kann hier vieles fußläufig oder mit dem Fahrrad erledigen. Seit den 1990er- Jahren hat die Südstadt einen tief greifenden Wandel erfahren. Viele junge Menschen und Familien finden hier ein neues Zuhause, die Gastronomie ist vielfältiger geworden, die Kulturszene mit den freien Theatern, Kunstgewerbe, Kulturbüro und Deutschlands Museum des Jahres 2017, dem Sprengel Museum, erfreut sich großer Beliebtheit. Nirgendwo findet sich ein so dichtes Netz an Schulen und Bildungseinrichtungen. Und dies paart sich dann mit Bewährtem wie Hannovers schönstem Wochenmarkt auf dem Stephansplatz, alteingesessenem Fachhandel, typisch hannöverscher Backsteinarchitektur und dem vielen Grün. Das ist eine Melange, die die Südstadt zu einem der attraktivsten Quartiere Hannovers hat werden lassen. Mehr als 90 Prozent der Menschen leben sehr gern hier. Es ist ein lebendiger Stadtteil mit einer hohen Lebensqualität. Und es ist ein Privileg, dass ich seit 2001 kommunalpolitisch an dieser Gestaltung maßgeblich mitwirken darf.

Wie kann man Ihrer Meinung nach den Stadtteil im Verhältnis zur Innenstadt stärken?
Indem das Angebot im Stadtteil attraktiv ist. Wir benötigen in Hannover eine starke City als Einkaufsquartier für Menschen weit über die Regionsgrenzen hinaus. Und gleichzeitig brauchen wir starke Stadtteile. Hinzu kommt die Konkurrenz aus dem Internet, die wir als Verbraucher ja selbst erzeugen. Wenn ich im Quartier alles Notwendige bekomme, insbesondere die Nahversorgung stimmt, dann kaufe ich auch im Kiez ein. Stadtteilpolitik und städtische Wirtschaftsförderung stellten um die Jahrtausendwende fest, dass viel Kaufkraft aus der Südstadt abfließt. Das führte letztlich zum Bestreben, die lokale Ökonomie seitens der Stadt zu fördern. Engagierte Gewerbetreibende schlossen sich zusammen. Das war die Geburtsstunde des Wirtschaftsforums Südstadt mit einer einzigartigen Erfolgsgeschichte. Wichtig dabei war und ist, dass sich die Gewerbetreibenden neben ihren Geschäften aber auch als Akteure für die Weiterentwicklung des Stadtteils engagieren, gemeinsam in einem Boot mit Stadtteilpolitik, Vereinen und Organisationen. So ist ein Gemeinschaftsgefühl zum Wohle des Quartiers entstanden. Und andererseits ist mit dem Fachmarktzentrum auf dem ehemaligen Südbahnhofgelände eine großräumige Einkaufsinfrastruktur hinzugekommen, die das Angebot in der Südstadt sinnvoll ergänzt.

Haben Sie Lieblingsplätze?
Das sind eine ganze Menge, je nach Anlass. Der Maschsee gehört dazu. Auch das Sprengel Museum mit seinen Schätzen der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Ich genieße den Blick auf den Maschteich von der Sonnenterrasse des Gartensaals im Neuen Rathaus. Bei den Heimspielen von Hannover 96 im guten alten Niedersachsenstadion (HDI-Arena) ist mein Dauerkartenplatz in der Westkurve. Der Stephansplatz während des Wochenmarkts, weil er nicht nur zum Einkaufen einlädt, sondern auch zum Klönen und Stadtteilgespräch. Oder der Oesterleyplatz mit seinem geradezu mediterranen Flair im Sommer. Apropos Plätze: Auch der Campo in Siena fasziniert mich immer wieder. Ich mag die Alte Bult während der Kirschblüte und beim jährlichen Osterfeuer. Als Vorsitzender des Jazz Clubs bin ich am Himmelfahrtstag beim Jazzfestival „Swinging Hannover“ auf dem Trammplatz vor dem Rathaus zu finden. Schließlich liebe ich die heimische „grüne Hölle“ auf dem Balkon und in unserem kleinen Garten am Haus.