Stefanie Flodman, Martina Mielcarek

„Ich liebe diesen Stadteil – jeder kennt jeden“

Was hat Sie motiviert, die Krippe Krabbe-l-ino zu gründen?
Martina Mielcarek (MM): Stefanie Flodman und ich kennen uns schon seit 23 Jahren. Unsere Kinder sind zusammen in die Kita gegangen. Seitdem sind wir beste Freundinnen und gehen gemeinsam durch dick und dünn.
Stefanie Flodman (SF): Als ich nach meinem dritten Kind wieder arbeiten wollte, standen bei den Krippen und Kitas damals bis zu 300 Kinder auf der Warteliste. Die Idee entstand, gemeinsam selber eine Einrichtung aufzumachen.

Welche Wege haben Sie dafür eingeschlagen?
SF: Wir sind unter anderem mit dem Kinderwagen durch die Südstadt gezogen und suchten nach geeigneten Läden. Freunde, Bekannte und Unterstützer wurden mobilisiert, und am 30. Sepetember 2008 wurde der Verein Krabbe-l-ino gegründet. Grundlagen und Ziele wurden erörtert, festgelegt und auf sichere Füße gestellt; unglaublich viel Papierkram mit Zahlen und Möglichkeiten gewälzt; Anerkennung durch den Jugendhilfeausschuss; viele Gespräche und Besichtigungen von möglichen Immobilien, in denen es in der dicht bebauten Südstadt möglich wäre, Kinder zu betreuen
MM: Und schließlich die perfekten Räume: leider nur ein Mini-Außengelände, aber mehr als genug Platz mit einer schönen Aufteilung in den Räumen eines ehemaligen Ladengeschäftes in der Feldstraße/Ecke Schlägerstraße. Nach Prüfung durch das Jugendamt und das Kultusministerium war klar: Hier dürfen wir zehn Kinder im Alter von ein bis drei Jahren betreuen, wenn die Vermieterin mit allen Auflagen mitgeht. Die Unterzeichnung des Mietvertrages Anfang Februar 2009. Der Bauantrag und der Umbau erfolgte dank tatkräftiger Unterstützung in der unglaublich kurzen Zeit von nur acht Wochen.

Wie hat sich die Einrichtung entwickelt?
MM: Viel ist seither passiert. An die 50 Kinder und Familien konnten wir seitdem im Krabbe-l-ino auf ihrem aufregenden Weg der ersten Loslösung begleiten. Viele sind gerne mit jüngeren Geschwistern wiedergekommen. Im Sommer 2012 erfolgte dann die Eröffnung der Hortgruppe Große Haie an der Hildesheimer Straße. Im Sommer 2014 kam die Krippe Strandläufer im Schwesternhaus dazu. Im Sommer 2016 mussten wir kurzfristig die Hortgruppe in eine altersübergreifende Gruppe umstrukturieren. Im Sommer 2017 wurde diese zu einer reinen Kindergartengruppe.
SF: Nach wie vor stehen regelmäßig Familien vor der Tür oder rufen an, die den Tränen nahe sind, weil sie keinen Betreuungsplatz für ihre Kinder bekommen. Die Wartelisten fassen nicht mehr über 300 Kinder zum Aufnahmetermin, es wurden viele Plätze geschaffen im Krippenbereich – aber es reicht nicht, weil die Südstadt doch ein sehr beliebter Stadtteil für Familien ist. Allein im Krabbe-l-ino erfolgen für fünf frei werdende Plätze bis zu 100 Anmeldungen.

Wohnen Sie in der Südstadt?
SF: Wir sind bereits zweimal innerhalb der Südstadt umgezogen, wollen aber immer hierbleiben. Von meinem Fenster sehe ich sogar auf meinen Garten vom Kleingartenverein Tiefenriede. Das ist einfach toll.
MM: Aber ja. Ich liebe diesen Stadtteil. Er ist mein Zuhause. Hier ist man nicht anonym. Es ist wie in einem Dorf. Jeder kennt jeden, den Bäcker, den Apotheker …

Haben Sie noch Zeit für Hobbys?
SF: Yoga steht bei meinen Hobbys an erster Stelle, aber ich liebe die Gartenarbeit, fahre gern mit dem Rad und lese natürlich auch sehr viel. Dabei kann ich in eine andere Welt abtauchen.
MM: Ich bin sportbegeistert. Fitness, Ausdauersport, Radfahren, Schwimmen, Reisen und Lesen – das alles ist ein wunderbarer Ausgleich.