„Schauspielerei ist eine Macke“

Im Gespräch mit Michael Jakobsohn (66) vom Vorstand die hinterbuehne

Wo sind Sie aufgewachsen und wie sind Sie zum Theater gekommen?
Seit meinem dritten Lebensjahr wohne ich in Hannover. Theater war schon immer ein Thema in unserer Familie. Meine Großmutter spielte auch Theater. Als ich im Alter von acht oder neun Jahren in Rotenburg/Wümme wohnte und vor der Aula der hiesigen Schule stand und das Plakat vom Ohnsorg-Theater mit einem Gastspiel mit Heidi Kabel sah, sprach mich jemand an, ob ich eine Karte haben möchte.

Bedingung sei, dass ich am Ende der Vorstellung Heidi Kabel einen Blumenstrauß auf der Bühne überreichen müsste. Ich war begeistert. Das war der Startschuss fürs Theater.

Was ist Ihr eigentlicher Beruf?
Ich habe 40 Jahre lang bei einigen Pharmakonzernen gearbeitet. Zum Schluss als Key-Account-Manager.

Wie sieht Ihr Theater-Werdegang aus?
Im September 1981 gründete ich die Laatzener Bühne in Gleidingen. Das erste Stück hieß „Wahrheit, Liebe, Kraft und Tempo“ von Martin Loewe. Ab April 1998 war ich bei der Kleinen Bühne in Hannover aktiv. Hier hieß das erste Werk „Der Regenmacher“ von N. Richard Nash. Ab Mai 2002 spielte ich bei der Theatergruppe Heideviertel in Hannover. Seit Juli 2006 gehöre ich zum Theater Flunderboll (die hinterbuehne). Dort startete ich mit „Italienisch für Anfänger“ von Lone Scherfig.

Wie sind Sie zur hinterbuehne gekommen?
Bei einem Spaziergang vor zwölf Jahren auf der Hildesheimer Straße sah ich die Umbauarbeiten an der ehemaligen Schlosserei zur hinterbuehne und fragte gleich, ob noch jemand gebraucht wird. Die Antwort: Ja!

Woraus besteht Ihre Tätigkeit bei der hinterbuehne und wie viel Zeit verbringen Sie damit?
Ich schätze, es sind 40 bis 50 Prozent der Freizeit. Neben der Schauspielerei bin ich mit Bardiensten und Öffentlichkeitsarbeit sowie mit Renovierungsarbeiten in der Sommerpause beschäftigt.

Bei wie vielen Aufführungen haben Sie schon mitgewirkt?
Es dürften inzwischen über 200 Aufführungen in den Jahren meiner Zugehörigkeit in verschiedenen Amateurtheatergruppen sein.

Sie sind schon seit Ihrer Jugend vor und hinter der Bühne aktiv. Was fasziniert Sie so am Theater?
Theater, das ist eine Macke von mir. Es macht Spaß, Menschen Freude zu schenken. Ein Theaterstück auf die Beine zu stellen, das bedeutet Charaktere kennenlernen, verschiedene Menschen müssen miteinander auskommen, sich freuen, necken und ein gemeinsames Projekt vorantreiben. Dies bedeutet auch viel Zeit. Man muss sich einlassen auf eine intensive Teamarbeit, bei der man zusammen mit einer Theatergruppe etwas erreicht.

Ihre Motivation?
Ein Projekt mit Menschen von A bis Z durchzuführen. Wenn dann nach so einer intensiven, disziplinierten Arbeit der letzte Vorhang fällt und der Applaus zu hören ist, dann ist die gesamte Gruppe überaus zufrieden.

Wie haben Sie sich weitergebildet?
Durch Workshops, Sprechtraining, Rollenspiele, Clowntraining und die Regiearbeit bei vielen Coaches.

Ihre größte Herausforderung?
Nach so vielen Jahren Theatertätigkeit ist mit dem Solowerk „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ von Charles Lewinsky ein Traum in Erfüllung gegangen. Allein auf der Bühne zu stehen, das ist eine besondere Herausforderung und ein Höhepunkt in meinem Theaterleben. Es gab bisher sechs Vorstellungen und ich hoffe, es werden weitere Aufführungen des Stückes folgen.