Den Kopf voller Ideen

Gunter Kallbachs Wohnung ist wie ein kleines Museum

Sicher mag sich der ein oder andere Südstädter schon gefragt haben, was es denn mit der Verkehrsampel an einem der Balkone in der Mendelssohnstraße wohl auf sich haben mag. Und manchmal leuchtet das Verkehrslicht sogar. „Wenn besondere Gäste kommen“, sagt der Hausherr schmunzelnd. Der Balkon gehört zur Wohnung von Gunter Kallbach. Und diese lebt regelrecht durch ihre zahlreichen arrangierten Erinnerungen, kreativ verarbeiteten Souvenirs und Fundsachen sowie ideenreich in Szene gesetzten Sammlungen des 73-jährigen ehemaligen Lehrers, der an der Albert-Liebmann-Schule Kunst, Sport und Englisch unterrichtet hat.

Und die Kunst, die zieht sich wie ein roter Faden durch die „vier Wände“ des allseits interessierten und passionierten Golfers. Seien es kleine Bleistiftskizzen – ehemals bei Lehrerkonferenzen entstanden –, großflächigere Bilder – unter anderem in Airbrush-Technik oder Aquarell –, die Gunter Kallbach teils gemeinsam mit einer seiner zwei mittlerweile erwachsenen Töchter gemalt hat, Skulpturen aus gefundenem Strandgut oder Leinwände mit abstrakten Motiven. Entstanden aus aufgeklebten bunten Golftees – alle von diversen Golfplätzen zusammengetragen. „Ich umgebe mich gerne mit Erinnerungen und sammle Dinge“, sagt der Hobbypflanzenkundler, der gerne auch im Marmeladeneinkochen mit diversen Zutaten experimentiert. „Die Sachen sollen aber nicht alle in Kisten verstauben, deshalb überlege ich mir, was ich damit machen kann.“

So kam ihm einst auch eine adäquate Verwertung seiner bis dato zu Hunderten angehäuften Spruchkarten in den Sinn: Damit legte er seinen Flurboden aus und manchmal wird die ein oder andere Karte ausgetauscht – „Wenn ich eine weitere entdecke, die mir gefällt“. So darf man sich auch nicht über die Turnsprossen an der Wand nebst Parkuhr wundern. Denn dieser gewisse Schalk gepaart mit Tiefgang und Geschichten aus Kallbachs Leben, der haftet Gunter Kallbachs Wohnung an. Seinem Eigentümer eben ähnlich. „Ja, es ist schon ein kleines Museum hier“, sagt er. Wahrlich: Zu jedem einzelnen Stück – und sei es das Blechfahrrad en miniature auf dem Bildschirm – gibt es eine Anekdote zu erzählen. Das wandert nämlich zu jedem Geburtstag ein kleines Stück weiter. Kallbach umgibt sich eben nicht gern mit bezugslosen Dingen. Sein Kopf ist voller Ideen. Dabei ist dem sympathischen Mann aber stets eines wichtig: Alles kann, nichts muss.„Wenn ich keine Lust mehr zu etwas habe, lege ich es beiseite und widme mich etwas anderem.“

Seit 46 Jahren wohnt Gunter Kallbach mittlerweile in seiner Wohnung in der Mendelssohnstraße. „Ich war der erste Hausmann hier im Stadtteil“, damals vor 43 Jahren, als die erste Tochter geboren war. Das habe schon für Gesprächsstoff gesorgt, als er sich drei Jahre eine Auszeit vom Lehrerdasein genommen habe, um sich um Kinder und Haushalt zu kümmern. Gern denkt er an diese Zeit zurück. „Die Südstadt verändert sich stets – aber nie zum Schlechteren“, so der Lebemann, der es einfach versteht, seine Zeit sinnvoll für sich zu nutzen. Ganz nach dem Motto: carpe diem – lebe den Tag. Und bringe ihn zum Leuchten.

Übrigens: die Ampel. Die hat Gunter Kallbach vor über 20 Jahren aus dem Fundus seiner damaligen Schule für den Verkehrsunterricht übernommen. Seinen Balkon fand er als einen famosen Ort dafür. Einfach immer eine amüsante Idee im Kopf, der Herr Kallbach, der sich wahrlich seine Lebensart in der Südstadt geschaffen hat.