Am Sonnenweg 25 treffen sich junge Künstler zum kreativen Austausch

Die Tanke ist ein Ort für Kunst, Begegnung, Diskussion und Inspiration

Seit Anfang des Jahres bringt eine Gruppe junger Studenten frischen Wind in die kulturelle Szene der Südstadt: Mit der Tanke haben sie ein Atelier und eine Galerie mit Platz für Ausstellungen auf 104 Quadratmetern geschaffen. Das Ungewöhnliche daran: Die Künstler arbeiten in den weiß gekachelten Räumen der ehemaligen Fleischerei Reese – zwischen der einstigen Wurstküche und dem alten Kühlraum.

Im Mai wurde die Eröffnung der Tanke mit einer Party-Vernissage gefeiert. Die Resonanz sei sehr gut gewesen, meinen Sofia Baronner, Moritz Peters und Endric Merker, die zu den Initiatoren des zurzeit neunköpfigen Teams gehören. Die Nachbarn aus der Südstadt hätten Bierkisten mitgebracht, und gemeinsam habe man in einer lauen Nacht bis weit nach Mitternacht gefeiert. Beschwerden habe es keine gegeben.

Die Einbindung der Südstädter und der offene Charakter des Projekts sind der Gruppe wichtig. Die Anmeldung der Tanke als Verein, bei dem jeder mitmachen kann, läuft. Die erste Ausstellung mit dem Titel „Aus Blut und Fleisch“ war noch eine Gemeinschaftsschau der Initiatoren, die sich am Hochschulcampus auf dem Expo-Gelände kennengelernt haben und Fachgebiete wie Fotojournalismus, Gestaltung, Mediendesigninformatik, Szenografie und Architektur studieren. In Planung sind nun auch Ausstellungen mit internationalen Kunstschaffenden. Jüngst hat das Team die Veranstaltung „Tanke-TV“ aus der Taufe gehoben – ein Abend mit Kunstfilmen in den Räumen am Sonnenweg 25. „Tanke-Talk“ wiederum ist ein Forum zu Themen von Kunst bis Politik – bei der Premiere wurde über Flüchtlinge und Ausgrenzung diskutiert.

Donnerstags und freitags ist die Tanke jeweils von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Kommen kann jeder, der sich für das Projekt interessiert oder Friedel – das sagenumwobene Maskottchen der Gruppe – füttern will. Zurzeit wird an neuen Ideen gefeilt. „Das ist ja nicht nur eine Galerie, sondern wir sind hier tätig. Hier entsteht Kunst“, sagt Peters und verweist auf den experimentellen Aspekt: „Die Schwelle für Kunst ist niedrig. Wir sind nicht so exklusiv wie große Häuser, sondern verstehen uns als ein künstlerisches Wohnzimmer.“ Das Konzept würde „erschreckend gut funktionieren“, so Baronner. „Viele Nachbarn kommen rein, einige auch aus Versehen, weil sie zum alten Metzger wollten.“ Wurst- und Fleischwaren können nicht in der Tanke erstanden werden, stattdessen entsteht dort Kultur, etwas vermeintlich Elitäres, das doch auf handfesten Säulen basiert. „Die Wände sind gefliest – ideal, um mit Farbe zu hantieren“, sagt Baronner.

Für November ist eine Aktion mit einem Südstädter Künstler geplant, außerdem findet eine P r ojek t wo che mit den neuen Formaten wie „Tanke-TV“ statt. Überdies steht eine Soli-Party mit dem Arbeitstitel „Tankefriert“ auf dem Programm: Die Mitglieder wollen mit dieser Aktion für Sponsorengelder werben, um eine Heizung anschaffen zu können. Für Baronner ist dies eine Investition in die Zukunft, denn im Winter seien die Räume zu kalt, um darin zu arbeiten.

Gefördert wird die Tanke von der Stadt Hannover, doch die Gruppe wünscht sich weitere Unterstützung. In der Südstadt gebe es leider nicht so viele kulturelle Institutionen, meint Peters, umso wichtiger seien Orte wie die Eisfabrik, das Lodderbast oder die Tanke, um den Stadtteil zu beleben. Dieser Ansicht sind auch Baronner und Merker, die beide in der Südstadt geboren wurden. „Für uns als Kinder war es hier super, sehr behütet“, so Baronner, die fest daran glaubt, dass die Südstadt sich zum neuen Hotspot Hannovers entwickelt – auch weil der Mensch nicht von Brot und Wurst allein lebt. „Kultur ist erwünscht“, sagt sie. „Das merken wir.“