Gudrun Heidenreich holt hochkarätige Künstler in die Südstadt
Wohnzimmerkonzerte kennt wohl jeder Musikliebhaber. Sie sind in aller Ohren und machen Livemusik greifbarer denn je. Für die Südstädter hat Gudrun Heidenreich ein ganz ähnliches Konzept auf die Beine gestellt: Das KAMINZIMMERpoeTisch.

Für gewöhnlich schafft die Bühne ja eine Kluft zwischen Künstler und Publikum. Nicht so auf den Konzertabenden, zu denen die 66-Jährige ein, zwei Mal im Monat in das Craft Beer Kontor in der Schlägerstraße einlädt. Der Name der Veranstaltung – KAMINZIMMERpoeTISCH ist hier nur bedingt Programm: In dem urigen Verkaufsraum gibt es Regale prall gefüllt mit Bier in Flaschen und Büchsen. Den Kamin sowie eine Bühne sucht das Publikum aber vergeblich. „Wenn 40 bis 50 Leute kommen, rücken alle ein wenig enger zusammen, um bei Bier und Wein Musik oder Poesie lauschen – und dann wird es schnell richtig schön warm“, sagt Gudrun Heidenreich. Platz nehmen die Gäste am poeTisch – ganz nah an den Künstlern. Die musizieren vor Kopf und bieten so ein einmaliges Musikerlebnis. Unverfälscht, persönlich und im wahrsten Sinne hautnah.

Für eine entspannte und charmante Atmosphäre sorgen im KAMINZIMMERpoeTisch die unterschiedlichsten Künstler. Bekannte und unbekannte, Liedermacher, Songwriter und Gospelsänger. Kürzlich hat der Mentalist und Magier Jan Foster sein Südstädter Publikum zum Staunen gebracht. „Der Mann ist direkt aus Las Vegas angereist – das macht uns schon ein bisschen Stolz“, erzählt die Organisatorin, die selbst gern auf Konzerten unterwegs ist und dort auch Kontakte in eigener Sache knüpft. Seit 14 Jahren ist sie als ehrenamtliche Veranstalterin im Geschäft, hat sieben Jahre im KAMINZIMMER Music & Dance Regie geführt. Die große Bühne im Clubhaus 06 hat sie jedoch vor zwei Jahren abgegeben und konzentriert sich nun nur noch auf die Events im Craft Beer Kontor.

Das Schöne daran: Auch Heidenreichs Publikum lernt die Künstler auf solch kleinen Konzerten wie im KAMIN-ZIMMER von ganz privater Seite kennen. „Und die Musiker haben hier oftmals mehr Lampenfieber als auf der ganz großen Bühne, weil sie den Zuhörern so nahe kommen“, sagt Gudrun Heidenreich. Alles in allem wird die Perfektion bei einem KAMIN-ZIMMER-Konzert ohnehin eher zur Nebensache und manchmal sogar obsolet – denn solange sich Liebhaber der Musik und Poesie zusammenfinden und gemeinsam den Moment genießen, spricht Gudrun Heidenreich von einem gelungenen Abend.

Ihr Stammpublikum wächst stetig. Zum einen, weil in der Südstadt – kulturell betrachtet – noch Luft nach oben ist. Zum anderen, weil Gudrun Heidenreich immer wieder für Überraschungen gut ist. „Die meisten Künstler, die ich engagiere, lassen sich in keine Schublade pressen und so kommen Menschen aller Altersgruppen und Geschmäcker an der langen Tafel zusammen“, erzählt Musikliebhaberin. Am Ende des Abends macht ein Hut die Runde und jeder gibt das, was ihm der Ohrenschmaus wert war.